Archive for September, 2006
O me miserum!
Seit über einem Jahr fahr ich in Wien spazieren, bis jetzt mit Studentenkarte, ab Oktober voll zahlend. Am Sonntag hab ich mir noch extra eine Wochenkarte + neue Monatskarte gekauft (bin ja brav) - die ich dann beim Ausmisten der Kreditkartenrechnungen natürlich prompt daheim am Küchentisch deponierte.
Jetzt gehört natürlich einiges an Pech dazu, in Wien kontrolliert zu werden, in 13 Monaten hatte ich das Vergnügen bis jetzt vier Mal. Wann muss natürlich das fünfte Mal stattfinden? Eh klar! 62 Euro kostet einem die eigene Blödheit…
In Summe also:
| insgesamt 5x Sommerkarte à 27e | 135e |
| 2x Semesterticket à 91e | 182e |
| 1x Wochenkarte für September (war ja den Rest auf Urlaub) | 12e |
| 1x Monatskarte | 45e |
| in Summe | 374e |
wohingegen
| 5x erwischt werden à 62e | 310e |
Conclusio: Schwarzfahren hätte sich ausgezahlt, q.e.d.
Reisebericht, Tag 14
Der letzte Tag unserer Reise begann mit dem kunstvollen Verpacken der restlichen Dinge, die irgendwie alle noch in die Koffer mussten. Danach verabschiedeten wir uns kurz und bündig von unserer dubiosen Gastgeberin und deponierten unser Gepäck beim Doorman, da es uuuunmöglich in der Wohnung bleiben konnte, weil die ja geputzt werden muss für die nächsten Gäste. Vielleicht war die Blondine ja auch nur die Putzfrau, wer weiss…
Wir machten uns auf jeden Fall in Richtung Central Park auf, um dort beim bewährten Green Cafe neben dem Plaza unser Frühstück einzunehmen (wer fand sich dort zwei Tische weiter ein? Fängt mit Pief an und hört mit ke auf). Der bis dahin nur grau verhangene Himmel meinte danach leider, uns mit ein paar Regentropfen den Abschied versüssen zu müssen, sah aber bald die Unanständigkeit dieses Vorhabens ein und beschränkte sich aufs grau sein. Gestärkt und fast nicht naß spazierten wir dann zur Subway-Station in der 57. Strasse, um mit dem F-Train zum MoMA Postkarten kaufen zu fahren. Leider wurden unsere Bemühungen abermals von der MTA sabotiert, da dieses Wochenende keine F-Downtown-Züge stehen blieben - so wurde unser Spaziergang etwas länger und wir marschierten gemächlich zum MoMA.
Nachdem wir unser Einkäufe erledigt hatten, marschierten wir zuerst noch wenig die Fifth Avenue entlang, um uns dann hinüber auf die 7th Avenue zu bewegen. Die war überraschenderweise für ein Strassenfest abgesperrt, das vor allem von den Andenken- und TShirt-Händler belebt wurde. Wir quälten uns durch das Gedränge und mussten all die guten Angebote links liegen lassen, da wir uns mit dem bescheidenen verbliebenen Barvermögen von knappen $10 (gut eingeteilt!) nur wenig Chancen ausrechneten - und irgendwie machte keines der Standln den Eindruck, Kreditkarten zu akzeptieren.
Wir nahmen’s aber gelassen und kamen nach viel Geschiebe und Gefluche irgendwann beim Times Square an, wo ich noch das lange ausständige Foto der Rekrutierungsstelle für die US-Streitkräfte knipste. Eigentlich wollten wir uns anschließend im Gift Shop der MTA in der Grand Central Station mit Devotionalien eindecken, leider waren aber die von mir gewünschten Socken mit der Subway-Karte drauf nicht in meiner Größe vorrätig und die durchaus knuffigen Shirts mit den Bezeichnungen der Subway-Linien mit Preisen jenseits der $20 doch entschieden zu teuer. Unverrichteter Dinge verabschiedeten wir uns also mit einem letzten Blick in die große Halle und machten uns wieder zur U-Bahn auf, um die verbliebene Zeit für einen letzten Blick auf die Freiheitsstatue zu nutzen. Da aber die von uns eigentlich gewünschte Linie (N oder R) lange Zeit auf sich warten ließ, wollten wir den Prozeß etwas optimieren und stiegen selbstsicher in den nächsten W, der daherfuhr - nach zwei Wochen braucht man ja keinen Plan mehr, harrharr.
Gewundert haben wir uns erst, als wir nach der Canal Street auf einmal aus dem Tunnel hinausfuhren und die Reise über eine Brücke fortsetzten… Ach, der W fährt nicht nach Süden, der fährt über die Manhattan Bridge nach Brooklyn. Natürlich war dieser Ausflug in weiser Voraussicht arrangiert, da wir so vom Zug aus einen letzten Blick auf die Freiheitsstatue, die Südspitze von Manhattan und die Brooklyn Bridge genießen konnten. Der Umstand, dass wir erst 10 Minuten und einige durchfahrene Stationen später (wenn schon, dann Express-Train) bei der Atlantic Avenue wieder umkehren konnten und uns dann, bedingt durch die fortgeschrittene Stunde, direkt wieder zu unseren Koffern weiterfuhren, war natürlich schon vorher bekannt und in die Planung integriert.
Nach dringend notwendigen Boxenstopps in der “Candy Bar” (Schoko kaufen) und der Drogerie (Ohrenstöpsel für mich kaufen) holten wir endlich gegen 14.00 unsere Koffer ab und begaben uns auf die Reise zum Flughafen, die überraschend gut funktionierte (auch dank der netten New Yorkerin, die der gnädigen Frau beim Koffertragen behilflich war - ich hatte schon zwei Koffer in der Hand, also keine Kommentare dazu!).
Am American Airlines-Terminal begann dann die große Sucherei: Wo zum Teufeln ist da der Check-In? Ein einsames Schildchen wies uns den Weg in der ersten Stock - doch nur über eine Stufe. Der Lift war immerhin gleich ums Eck, hatte aber in seiner ca. 300 jährigen Dienstzeit (geschätzt anhand der Sedimente am Boden) schon die Hälfte des Bodenbelags eingebüßt und untermalte seine Tätigkeit mit einem sehr entmutigenden Betriebsgeräusch. Normalerweise standen in den letzten zwei Wochen überall und bei jeder Gelegenheit unzählige Auskunftspersonen herum, die armen Unwissenden wie uns den Weg wiesen (sogar beim Klo im Central Park gabs eine Einweiserin!) - am Flughafen keine Spur davon. Nach 10 Minuten fanden wir dann doch etwas, das zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit Check In-Schaltern aufwies (nannte sich aber nicht “Check In”, sondern “Area A” oder so).
Jegliche Gerüchte über die große Hektik, die in Amerika herrscht, sind heillos übertrieben: Ich habe noch nie jemanden mit so großer Gelassenheit an ihre Tätigkeit herangehen sehen wie die kaugummikauende Gurke beim AA-Check In. Unsere verzweifelten Bitten nach Fensterplätzen wurden natürlich abgewiesen, stattdessen versuchte einer ihrer Kollegen mit billigen Tricks, uns noch weiter zu erleichtern: Beim Koffer-Abwiegen stützte er sich lässig mit der Hand am größten Koffer auf, was seine Kollegin mit einem verschlafenen “Oh, this one is overweight, you have to pay” quittierte. Es war ihm aber sichtlich peinlich, bei diesem billigen Trick entlarvt zu werden, wir bekamen nach unendlicher Wartezeit, die in keiner Weise mit der unglaublichen Effizienz am Wiener Flughafen mithalten kann (und das trotz der “Wiener Gemütlichkeit”!) unsere Boarding-Pässe.
Im Flugzeug sitzend fand diese Gangart dann ihre Fortsetzung: Nachdem wir 40 Minuten auf Passagiere gewartet haben, werden wir endlich vom Gate weggeschoben, bleiben irgendwann stehen - auf einmal geht das Licht aus, die Klimaanlage ist still, der Fernseher ist tot. Feature, Bug? Die Besatzung klärt auf: Man habe beim Wegschieben vergessen, die “external power source” abzustecken, und drum müssen wir zurück zum Gate geschoben werden, damit diese wieder angehängt und dann sogar mal Turbinen gestartet werden können. Hmmm, ein gutes Omen? Mit einer Stunde Verspätung flogen wir dann doch mal Richtung Europa ab.
Der Flug selbst wurde uns auf verschiedene Arten versüßt: Mindestens drei kleine Kinder sorgten für die Geräuschkulisse, es wurde wie schon am Hinflug “Ab durch die Hecke” gezeigt, und damit’s im Magen nicht fad wird gabs ordentliches Gerüttel und Geschüttel. Auch der Pilot war sichtlich froh, endlich in Zürich landen zu können, und schlug dort mit einem ordentlichen Rumpler auf. Leider hatten wir bis zum Weiterflug nach Wien mehr als fünf Stunden Aufenthalt in Zürich, die wir zuerst zum frische Luft schnappen (am Taxistand) und anschließend zum “gemütlichen” Nickerchen auf der Bank nutzten. Im Endeffekt waren wir dann froh, endlich in das Flugzeug nach Wien steigen zu können…
Am Flughafen erwartete uns dann gleich der typische ÖBB-Automat, der ungefähr eine Stunde braucht, bis er mal die Auswahl für die Vorteilscard geladen hat, und uns so die S-Bahn vor der Nase davonfuhr. Irgendwann kamen wir dann endlich doch in der Wohnung an, wo wir wenigstens schon von einem ordentlichen Schweinsbraten erwartet wurden, der uns den Magen nach den Entbehrungen im Burger-Land wieder einrenkte…
Reisebericht, Tag 13
Nachdem wir uns die letzten Ham and Eggs dieser Reise vergönnt haben (Tramway Diner bei 3rd Av/60th St ist durchaus empfehlenswert), starteten wir zur Grand Central Station, um von dort zum UNO-Hauptquartier zu spazieren. Schon am Weg hin fühlten wir uns wieder auffällig gut behütet, da die Anzahl der Uniformträger beachtlich hoch war. Das UN-Gebäude konnten wir dann nur von der anderen Strassenseite begutachten, da die First Avenue in diesem Bereich komplett abgesperrt ist und unsere Versuche, die Strasse zu überqueren, mit einem “You guys have ID? No? No way here” abgewehrt wurden. Nach längerer Suche fanden wir dann noch eine Fahne, die der österreichischen zumindest entfernt ähnlich sah, und zogen halbwegs zufrieden von dannen.
Wir entschieden uns dann, zu Fuß bis zum FAO Schwarz zu spazieren - den hatten wir bis dahin, trotz der günstigen Platzierung neben dem Apple-Store, mehr oder weniger übersehen. Am Weg dorthin kamen wir am Waldorf Astoria vorbei und waren nicht wirklich verwundert, auch dort unzählige Polizisten, Absperrgitter, schwarze Suburbans und Kameraden mit Knopf im Ohr und “Secret Service”-Pin am Kragen zu finden. Noch mehr wunderte uns aber, wie häßlich das Waldorf von aussen wirkt, anscheinend hat der werte Mr Dabbeljuh eine Vorliebe für grausliche Absteigen, da ja auch das Interconti in Wien von außen eher nach Bukarest passen würde.
Am Weg zum FAO Schwarz kamen wir dann noch an der St. Patricks Cathedral vorbei, die zwischen den ganzen Wolkenkratzern rundum beinahe etwas verloren wirkt. Apropos verloren: In einer Strasse gleich in der Nähe ist das Austrian Cultural Forum zu finden, ein sowohl von innen wie auch von aussen höchst interessanter Bau.
Den nächsten Zwischenstop legten wir am Sony Plaza ein, wo wir uns das “Sony Wonder Technology Lab” zu Gemüte führten. Ich kann mich noch an meinen Besuch dort bei meinem ersten New York-Aufenthalt erinnern - seitdem hat sich nicht viel verändert, und das war vor guten 10 Jahren… Außerdem war ich damals wohl auch altersmäßig eher in der angepeilten Zielgruppe. Immerhin gab’s saubere WCs (ein seltenes Gut!).
Schlußendlich beim FAO Schwarz angelangt mussten wir natürlich einmal die ganze Kuscheltier-Palette durchsehen und -testen, um uns anschließend zur Lego- und Modelleisenbahn-Abteilung zu bewegen. Da uns die kleinen ungezogenen Kinder aber nicht an die benachbarte Carrera-Bahn heranließen waren wir unerwartet schnell fertig und genehmigten uns prompt ein Häagen Dasz-Eis im Central Park. Dort konnten wir dann noch eine interessante Hochzeitsgesellschaft beobachten, die zu den Klängen eines Dudelsackspielers, der offenbar von der eher unansehnlichen Braut ablenken sollte, ein zuvor vom Pfarrer von Sandlern gesäubertes Areal enterten. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir dann mit Besuchen bei verschiedenen Ablegern der Souvenir-Mafia und einigen Fetzentandlern.
Im Quartier angelangt wunderten wir uns einerseits abermals über unsere Vermieterin, die sich gerade mit einer nicht unansehnlichen Blondine im Arm zu Bett begab, anderseits über die Menge an Wäsche, die wir offensichtlich einmal in unseren Koffern untergebracht hatten. Die gnädige Frau nahm sich aber dieser Aufgabe an, während ich mich mit wichtigen Dingen (Duschen, c’t lesen) beschäftigte.
Reisebericht, Tag 12
Heute war es soweit! Nach einem beschleunigten Frühstück und einem zur allgemeinen Verwundern erwischten Bus schafften wir es, rechtzeitig am Circle Line-Pier zu sein und unsere zweistündige Rundfahrt zu absolvieren.
Zuerst ging’s den Hudson hinunter bis zur Freiheitsstatue und nach einer Drehung um die eigene Achse, damit auch der letzte ein Foto ergattern konnte, den East River hinauf, unter den südlichen drei Brücken durch hinauf bis zur südlichen Spitze von Roosevelt Island. Dort wurde gewendet, und wir schipperten wieder um halb Manhattan herum zurück zum Ausgangspunkt. Vom Wasser aus gelangen uns noch einige hoffentlich gelungene Schnappschüsse auf die verschiedenen Brücken und Attraktionen, trotz der (für einen Soziopathen wie mich) widrigen Umstände am Boot, da das Gedränge und Geschiebe um die beste Foto-Position doch einigermaßen nervig war (und hatte man diese dann erreicht, stand sicher irgendein Idiot bereit, um einen seiner offensichtlich ausser Kontrolle geratenen Körperteile ins Bild zu halten).
Das frühe Frühstück (!) forderte aber seinen Tribut: Nach der Rundfahrt knurrte uns der Magen - ein völlig ungewohntes Gefühl zur Mittagszeit. Nach kurzer Suche entschieden wir uns, beim “Dallas BBQ” einzukehren, wo wir erstaunlich gut und günstig zu Mittag aßen. Faszinierend an amerikanischen Gaststätten ist immer noch, dass es offensichtlich nur eine Toilette für Gäste und Angestellte gibt - und dass die Angestellten immer mit Schildern in der Art von “Employees must wash hands” ermahnt werden müssen. Wenn nur die Employees müssen, warum tu ichs dann?
Nach dem Essen machten wir uns wiedermal Richtung Ground Zero auf, wo wir das am 18. September eröffnete “TributeWTC Visitor Center” besuchten. Die nicht wirklich umfangreiche Ausstellung (vier Räume, bei großzügiger Zählung) war gut aufgemacht, wenn auch doch etwas kurz. Da sich die Lokalität schnell füllte und das Schneuzen und Schluchzen der Angehörigen auf Dauer doch aufs Gemüt drückt, waren wir relativ schnell wieder fertig.
Um den Rest des Tages zu nützen, machten wir uns zu Skyscraper Museum am Battery Plaza auf. Auch dort gab’s hauptsächlich - oh Wunder - die Twin Towers zu sehen, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel: Hier wurde die Geschichte, die Planung, der Bau und die Verwendung erläutert, was einen guten Kontrast zur eher tränendrüsenlastigen sonstigen Darstellung bot. Negativ waren wiedermal ein paar unserer lieben Nachbarn (ich fühle mich verfolgt!), die durch lautes Dauerplappern negativ auffielen uns abermals erhellten: Tussi A “Das muss doch voll krass sein, sowas hohes zu bauen” Tussi B “Ja, und wie die das gemacht haben, so große Kräne gibbet wohl gar nich” A: “Da haben se wohl einen Kran immer weiter mit rauf gebaut” B: “Und wie hamse den dann runter gekriecht, hä?”. (Nach einem etwas lauteren “Wurscht wo ma hinfahrt, irgenda deppada Piefke muss immer die Gosch offen haben” sind sie dann verschwunden, und schreiben jetzt wahrscheinlich über die unfreundlichen Österreicher, die man überall trifft) Leider blieb der heutige Tag aber ohne weitere Begegnungen mit dem werten Hrn. Präsidenten, mal schaun ob wir uns nochmal sehen. Anzumerken ist, dass sich der werte Herr heute am Boot im Gesicht einen Sonnenbrand geholt hat.
Take care!
Reisebericht, Tag 11
Nach einem weiteren erfolglosen Versuch, bald aufzustehen, um den Vormittags-Termin der Schiffsrundfahrt zu erleben, entschieden wir uns, das wieder einmal schöne Wetter auszunutzen und die Wolkenkratzer in Midtown zuerst von unten und danach vom Empire State Building aus zu betrachten. Ausgerüstet mit Donuts und Kaffee marschierten wir also zuerst die Fifth Avenue entlang und wunderten uns über den Protz-Tempel namens Trump Tower, bogen dann Richtung Citicorp Building und marschierten dann nichts Böses ahnend oder planend die Lexington Avenue weiter nach Downtown.
Doch ER kam uns wieder in die Quere! Zuerst wunderten wir uns nur, warum soviel Polizei (nochmal das doppelte von “sowieso schon viel Polizei”) unterwegs war, warum soviele schwarze Limousinen mit Blaulichtern auf der Sonnenblende auf der Strasse parkten und warum über drei oder vier Blocks Parkverbote aufgestellt waren und Autos abgeschleppt wurden. Bei der 40. Strasse kam wir dann zum Stehen, was an der beträchtlichen Menschenmenge und der noch viel beträchtlicheren Ansammlung von Polizei lag, die sich rund um eine Strassesperre gebildet hatte. Nach einigen “normalen” Polizeiautos (sprich Crown Vic oder Impala) in voller Festbeleuchtung und einer Geschwindigkeit, die wahrlich nur auf abgesperrten Strassen angeraten ist (und das trotz der vielen Schlaglöcher), kam lange nichts… dann wieder einige Polizeimotorräder (so klein und doch soviel Lärm) und auf einmal eine Kolonne von schwarzen Limousinen mit dubiosen Siegeln auf der Seite, gefolgt von unzähligen Pickups, Polizeiautos und auch einem Krankenwagen, akustisch untermalt von lauten Buh-Rufen der Umstehenden. (Spezielle Sonderausstattung der Pickups war eine offene Hecktür bzw. ein offenes Fenster, aus dem etwas herausblickte, das doch stark an eine Gewehrmündung erinnerte.) Gleich darauf war die Strassensperre verschwunden, und wir strömten gemeinsam mit der Menschenmenge weiter. Ein erstaunlich grimmig dreinblickender Polizist bestätigte auf Nachfrage mit grosser Verwunderung unsere Vermutung, was das denn gerade gewesen sein könnte: “The president just came through”. Aha!
Unter den Umstehenden und auch unter jenen, die uns entgegen kamen, waren viele am Kopfschmuck einfach erkennbar Juden, die grosse Plakate mit Aufschriften wie “Bomb Iran, what are you waiting for” oder “If Israel doesn’t defend itself, who will?” trugen, Israel-Fahnen trugen und allgemein eher in Protestlaune schienen.
Da fiel es uns wie Schuppen aus den Haaren ( (c) Otto): UN-Generalversammlung ist ja! Das ist der Grund, weshalb halb Manhattan abgesperrt oder sonstwie umgeleitet ist, und darum ist auf zahlreichen Strassen ein mittlerer Fahrstreifen abgesperrt (wahrscheinlich für die weniger wichtigen Staatsoberhäupter, die ruhig auch mal etwas näher an potentielle Terroristen kommen dürfen). Eigentlich waren wir ja doch relativ nahe am werten Mr. Bush dran, und nichtmal unsere Tasche (oder auch einer der Riesenrucksäcke der Fahrradkuriere, die mißmutig warten mussten) wurde irgendwie kontrolliert. Also wenn ich mich zum Beten hinlegen würde, so eine Gelegenheit verstreichen zu lassen kostet sicher ein paar Jungfrauen im Paradies…
Wir setzten unseren Marsch bis zur 42. Strasse fort, ergötzten uns am Chrysler Building und gingen dann weiter zur Public Library auf der Fifth Avenue. Dort wurde unsere Tasche natürlich inspiziert (beim Betreten UND beim Verlassen), und nach einem kurzen Rundgang kamen wir beim eigentlichen Ziel, dem Empire State Building, an.
Vor der Türe wird vernünftigerweise eine Tafel aufgestellt, die die zu befürchtende Wartezeit angibt - ein bis zwei Stunden wurde uns dort prognostiziert. Zum ersten Mal hatte aber der vernünftigerweise beschaffte “City Pass” einen wirklich greifbaren Sinn, da wir uns damit die Schlange vorm Ticketschalter ersparen konnten - haha!
Am Observation Deck verbrachten wir dann über zwei Stunden, in denen wir natürlich intensiv den Ausblick betrachteten und Gelegenheit zu tiefen Einblicken in die Geisteswelt deutscher Urlaub erhielten, die uns mit tiefschürfenden Betrachtungen wie “Mann, das ist aber ganz doll hoch hier” erleuchteten, aber Gott sei Dank immer schnell weiterzogen (”Komm, lass uns mal zu einem anderen Spot gehen”). Uns fiel nur auf, dass auch im 86. Stock die Geräuschkulisse von diversen Variationen von Sirenen bestimmt wurde.
Irgendwann wurde es uns zu kalt, und auch die Kamera nahm sich mit leerer Batterie und voller Speicherkarte aus dem Rennen. So begaben wir uns wieder nach unten und genehmigten uns einen Mittags-Bagel. Gestärkt machten wir uns dann auf den Weg, um die Urlaubskasse in diversen Geschäften zu dezimieren - anscheinend gibt es ein weibliches Gen, das einen Besuch bei Macy’s vorschreibt. Am Weg dorthin wurden zur Einstimmung einmal Stiefel gekauft, bei Macy’s wurden wir dann beide fündig, und den Abschluss des Abends bildete dann ein Besuch in einem überraschend brauchbarem Geschäft namens “Old Navy”.
Reisebericht, Tag 10
Der Tag begann erneut zu unmenschlicher Stunde (= zu früh), da wir eigentlich die Vormittags-Tour einer Hafenrundfahrt absolvieren wollten. Da wir uns aber von läutenden Weckern nicht stören lassen und noch dazu ausgiebig frühstücken wollten, um die in der Warteschlange bei der Freiheitsstatue erlebten Hungergefühle nicht erneut erleiden zu müssen, wurde dieses Vorhaben einstweilen verschoben.
Als Alternative begaben wir uns zum Flatiron Building und marschierten von dort weg (am Museum of Sex leider vorbei) Richtung Uptown in die Umgebung der Penn Station. Dort amüsierten wir uns über die verschiedenen Plakate am Madison Square Garden und ärgerten uns über die Baustelle, die momentan die Front des General Post Office verziert.
Leider verschlechterte sich das Wetter aber, sodass wir uns flott Richtung Subway bewegten, mit der wir bis in die Upper East Side fuhren. Zu Fuß ging es dann der Museumsmeile entlang hinauf bis zum Guggenheim-Museum - schon wieder eine Baustelle! Zu sehen gab’s Austellungen über Zaha Hadid und die Frühwerke von Jackson Pollock, den Abschluß bildete der obligatorische Besuch im Museumsshop, der uns zwei Tassen in Guggenheim-Form einbrachte.
Das gestrige Abendessen bildete dann den Tiefpunkt unserer bisherigen kulinarischen Erlebnisse: Die Kellnerin ließ sich erst nach ca. 10 Minuten blicken (und stand nicht schon da, sobald der Hintern die Sitzfläche berührte) und glänzte auch generell eher durch offensives Desinteresse, der “insalata siciliana”, lt. Speisekarte mit Sardellen, war von zwei ärmlichen Streifen Fisch verziert, usw. Alles in allem befanden wir, das erste Mal auch gut ohne Trinkgeld auszukommen, und ergriffen nach kurzer Zeit (die durch die unmotivierte Kellnerin nur künstlich verlängert wurde) wieder die Flucht. Naja.
Reisebericht, Tag 9
Heuten haben wir der Mrs. Liberty einen Besuch abgestattet. Bereits um 7:15 Uhr ortszeit hat der Wecker geklingelt (Zum ersten Mal in unserem Urlaub), da wir unbedingt mit der ersten Fähre zu Liberty Island und Ellis Island wollten. Dies haben wir auch geschafft.
Bei traumhaft schönen Wetter sahen wir uns die Freiheitsstatue etwas näher an. Zuerst jedoch mussten wir 2 Sicherheitskontrollen über uns ergehen lassen. Die erste, am Festland, war ziemlich harmlos, die zweite fand direkt auf der Insel vor dem Betreten der Statue statt. Zu bestaunen gabs dort ein interessantes Gerät namens GE EntryScan3, der lt. Google nach Sprengstoff und Drogen schnüffelt… Hinterher waren wir um unsere Trinkflasche ärmer, da “drinks and food are not allowed at the statue, sir! either you lock it up or I’ll throw it away for you”. Nachdem uplocken mit erneutem Anstellen verbunden gewesen wäre, hat unsere delikate Cola-Poland Spring-Mischung ein trauriges Ende gefunden. Insgesamt brauchten wir von der Abfahrt an fast eineinhalb Stunden, bis wir endlich in der Statue waren.
Dort gabs zuerst eine kurze Einführung in die Geschichte, danach wurden wir ins Museum entlassen. Neben den Exponaten fielen dort v.a. die Touristengruppen aus dem asiatischen Raum (die politisch weniger korrekten Ausdrücke bleiben der Fantasie der geneigten Leserschaft überlassen) negativ auf, da sie unter beträchtlicher Geräuschentwicklung einerseits ALLES, aber auch wirklich ALLES fotografierten und filmten, andererseits jede erdenkliche Pose ausnutzten.
Bis zur Aussichtsplattform fuhren wir dann mit dem Lift. Von dort aus konnte man zuerst unter den Rock der Miss Liberty spechteln, sprich die Konstruktion von innen betrachten, und danach mit den schon erwähnten Reisgenießern um einen Platz an der Brüstung prügeln, um den Ausblick nach Manhattan zu bestaunen und fotografisch zu dokumentieren. Der Weg in die Krone ist ja seit 2001 versperrt, soll aber lt. einem der Ranger 2009 wieder geöffnet werden - “will make this job a lot harder for me”, weil sich dann wieder Menschenmassen stundenlang enge Stufen hinaufdrängen. Man wird sehen.
Nach dem Rundgang auf der Aussichtsplattform spazierten wir über die Stiege hinuntern und drehten anschließend noch eine Runde um das Podest, auf dem die Statue steht. Danach ging es mit der nächsten Fähre weiter zum Immigration Museum auf Ellis Island. Dort verbrachten wir den Rest des Nachmittags und wanderten durch die verschiedenen Ausstellungen über den Sinn von Ellis Island und diverse Schicksale von Einwanderern sowie über den Werde- und Niedergang des Insel selbst.
Um halb sechs machten wir uns schließlich auf den Weg zurück ans feste Land. Da uns die Füße noch nicht weh genug taten beschlossen wir, noch einen schnellen Spaziergang durch Chinatown und Little Italy zu machen. So begutachteten wir noch die unglaubliche Vielfalt an Dingen, die man dort zu kaufen bekommt (Favorit: die lebenden Krabben neben den Erdnüssen), und gerieten anschließend in ein Strassenfest in Little Italy, bei dem es aber anscheinend hauptsächlich darum ging, Steak-Sandwiches (offensichtlich ein neues italienisches Nationalgericht) zu verkaufen. Wir zeigten uns von diesen kulinarischen Verlockungen aber unbeeindruckt (teilweise auch, weil keine Preis angeschrieben waren und die Leute hinter den Verkaufsständen etwas zu sehr auf Kundenfang waren) und genehmigten uns einen gesunden, kalorienarmen Burger.
Reisebericht, Tag 8
Das anhaltend schöne Wetter nutzen wir heute zu einem ausgiebigen Rundgang durch den Central Park. Als überaus motivierte Urlauber schälten wir uns schon kurz vor halb elf aus dem Bett und machten uns nach der ausgiebigen Dusche auf den Weg. Neben dem Plaza (das übrigens zumindest von außen erstaunlich häßlich ist) deckten wir uns mit Bagels und Muffins ein, um es uns dann beim Pond gemütlich zu machen und zu frühstücken.
Leider ist es auch hier üblich, den Leberkäse vor einen Wagen zu spannen und damit Touristen zu befördern, bevor er seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wird. Pferdemist riecht jedenfalls weltweit gleich und gehört nicht zu den Gerüchen, die man auf nüchternen Magen leicht verkraftet. Gott sei Dank blieben diese olfaktorischen Angriffe auf einige Bereiche im Park beschränkt. Ausgehend vom Zoo ging es via Bird Sanctuary und Dairy zum Karusell, von dort dann zu Sheep Meadow und durch die Mall weiter zur Bethesda Fountain und zum Lake. Nach einer Pause zum Füße abkühlen kämpften wir uns dann weiter zum Conservatory Pond und von dort hinauf zum Belvedere Castle und zum Obelisk. Ursprünglich wollten wir zwar hinauf bis zum Harlem Meer marschieren, beim Reservoir hat uns dann aber die Motivation verlassen und wir marschierten an der Westseite des Parks entlang hinunter zu den Strawberry Fields. Dort gaben einige Überbleibsel aus der Hippie-Ära ihre Interpretationen diverser Beatles-Songs zum Besten, wir lauschten den Klängen aber nicht allzu lange und verließen die Stätte der, äh, Andacht bald wieder.
Nachdem sich Abendessen-mäßig hier in der Gegend um unser Quartier zwar einiges abspielt, das meiste aber im Endeffekt entweder wie Pizza oder ein Burger aussieht starteten wir die zweite Expedition des Tages und machten uns zu Katz’s Deli in der Houston Street auf. Nachdem wir dort zuerst über die Menschenmassen erschraken, waren wir umso überraschter, als wir nach knapp 10 Minuten Wartezeit bereits an der Reihe waren und flott mit einem Pastrami-Sandwich und Dill-Essiggurkerl abgefertigt wurden. Geschmacklich war es mal ganz interessant, vor allem weil Pastrami zumindest mir bis jetzt unbekannt war - aber auch nichts für jeden Tag. Vorteilhaft beim Sandwich war auch das Verhältnis Brot zu Fleisch (ungefähr 1:5).
Nach der Rückfahrt mit dem F-Train marschierten wir dann noch zum Food Emporium, um unsere Wasser-Vorräte wieder aufzufüllen (das Leitungswasser ist zwar genießbar, geschmacklich erinnert es jedoch zu stark an jenes in z.B. Lignano - die dezente Chlor-Note verhindert übermäßigen Genuß, weshalb wir auch weiterhin “Poland Spring” trinken). Dort verblüfften wir den Peon an der Kassa (Juan) mit unserer unglaublichen Kleingeld-Sammlung und hielten den Betrieb für sicher fünf Minuten auf, während er mit Zählen beschäftigt war.
Zurück im Quatier lernten wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft die Hausdame kennen: eine Dame im mittleren Alter, die nur Hello sagte und hoffte, dass wir uns in unser Reich verziehen, mitsamt ihrer Mutter - sehr sehr höflich. Ich glaub wir essen unser Mitbringsel (Mozartkugeln) selbst. Die Mutter warf uns nur böse Blicke zu; ich glaube, die haben wir aus ihrem Zimmerchen verjagt…
Reisebericht, Tag 7
Sonnenschein und ein paar Wolken am blauen Himmel! NYC zeigte sich heute wieder von einer besseren Seite. Daher waren wir uns einig: Outdoor-Sightseeing. Jedoch zuerst mal zu meinem Erlebnis beim Frühstücken in der Bäckerei Hot & Crusty. Das Essen ordern und bezahlen klappt ja mittlerweile recht gut, jedoch hat es heute beim Essen nicht so geklappt. Kaum habe ich mich niedergesetzt stieß ich den Kaffee meines Sitznachbarn, einen Deutschen, um. Trotz lautem Bedauern nahm er es mit Humor und fing darauf gleich zum Erzählen an, was er in NY so macht und wie die Amis in Heidelberg so sind.
Von diesem Schock erholt hatten wir auf den Weg zur Brooklyn Bridge gleich das nächste Erlebnis: Da die MTA meint an diesem Wochenende die Subway zu erneuern und einige Linien sperrten brauchten wir eine Zeitlang nach Brooklyn. Dies lag auch daran, dass ich zu spät draufkam, dass es laut Reiseführer besser ist von Brooklyn aus über die Bridge zu laufen, mit Blick auf Manhatten. Weiters stellten wir fest, dass die Türen der Subway nicht mehr aufgehen, wenn sie einmal zu sind. Daher fuhr Wolfgang ohne mich mit der UBahn und ich konnte nur vom Bahnsteig aus hinterherwinken (war etwas zu langsam um in die abfahrende UBahn hineinzuhüpfen).
Schließlich kamen wir doch gemeinsam bei der Brooklyn Bridge an. It’ s wonderful wie die Amerikaner sagen würden. Die New Yorker, die den Fußgänger-Übergang als Sportstätte zum Laufen und Radfahren nutzen wollen, haben es nicht wirklich leicht, da mehr oder weniger wildgewordene Horden auf der Suche nach dem besten Platz für ein Foto alles blockieren - da konnten natürlich auch wir nicht zurückstehen und knipsten was das Zeug hält (oder hielt?). Wieder in Manhatten angelangt erledigten wir endlich unseren geplanten Rundgang durch Downtown Manhatten (bzw. holten die paar Dinge nach, die uns beim ersten Rundgang entgangen sind) und klapperten so z.B. die City Hall, das Woolworth-Haus oder St. Paul’s Chapel ab. Beim Bullen, der mittlerweile beinahe zu einem Wahrzeichen geworden ist, konnten wir die teilweise doch sehr interessanten (fast schon obszönen) Posen beobachten, in die sich die fotografierwütige Meute wirft.
Nach einer längeren Pause bei Starbuck’s machten wir uns Richtung Union Square auf, um unseren Rundgang dort fortzusetzen. Dort war ein Markt aufgebaut, der einerseits aus Souvenir-Standln, andererseits aus lautstarken Strassenkünstlern bestand. Um 50 Dollar ärmer, dafür zwei Souvenirs reicher sahen wir von weiteren Spaziergängen ab und machten uns Richtung Quartier auf, um unsere Einkäufe zu deponieren.
Unser Abendessen genehmigten wir uns bei Tad’s Steaks, einem Fast-Food-Steak-Lokal, das uns gut & günstig verköstigt hat. Danach machten wir uns zu Fuß Richtung Times Square auf, um auch dieses Schauspiel einmal bei Nacht zu erleben. Ein schwerer Fehler, da dieselbe Idee viel zu viele andere Leute auch hatten. So wurden wir den Gehtsteig entlang geschoben, bewunderten Cola-Reklame und “a typical New York cockroach”, begegneten Spongebob und Spiderman und bogen bald in Richtung der nächsten Avenue ab. Dort gings dann im selben Trubel wieder zurück hinauf Richtung Central Park, aber wenigstens war die Lage ruhig genug, um Postkarten auszusuchen. Zwar sind diese Karten relativ günstig zu haben (10 Stück für $1 - ein Preisvorteil, der durch das sagenhafte Porto von 84 cent wieder aufgewogen wird), können qualitativ aber nicht wirklich mit den heimischen Erzeugnissen mithalten. Teurere waren aber zumindest in den Touristenfallen, die wir probiert haben, nicht erhältlich, sie dürften also gut genug sein - also, nicht beklagen!
Am Heimweg über den Columbus Circle und das Südende des Central Park kamen wir dann noch beim Apple Store an der Fifth Avenue vorbei, der um halb zwölf sogar noch geöffnet war und natürlich prompt genauer begutachtet werden musste. Nach den obligatorischen Fotos begutachteten wir dann noch die neuen iPod nano-Versionen und überlegten, ob wohl das 30″-Cinema Display oder der 24″-iMac besser ins Wohnzimmer passen wird.
Die Baustellensituation auf der nahegelegenen Queensboro Bridge dürfte sich anscheinend verschlimmert haben: Bis Mittwoch oder Donnerstag haben die Autofahrer ihr Gehupe zumindest in der Nacht reduziert, mittlerweile ist zumindest anhand des Geräuschpegels kein Unterschied mehr festzustellen. Somit dürfen sich die in weiser Voraussicht schon mitgebrachten Ohropax ausgiebig bewähren.
Reisebericht, Tag 6
Da sich das Wetter immer noch nicht gebessert hat, sprich es regnete immer noch in Strömen, beschloss ich mal mit dem Bus M 15 nach lower Manhatten zu fahren. Dies war jedoch nicht die beste Idee. Wir brauchten umgerechnet für etwa 2 km ca. 1 Stunde. Wolfgang war wirklich sehr begeistert und ich eine Erfahrung reicher: Nie wieder Busfahren in New York City (zumindest nicht in der Rush-hour). Trotzdem habe ich einiges gesehen: Die Busfahrt ging die 2nd ave. entlang, vorbei an Chinatown, am Gefängnis und an der City Hall. Nach einem etwas mageren Frühstück bei Starbucks (Kaffee und Muffin) ging es weiter im nassen NYC zum Transit Museum. Sehr interessant war dabei, dass das Museum in einer ehemaligen Subway-Station untergebracht ist, welche noch vollkommen in Stand ist und jederzeit wiedereröffnet werden könnte. Neben einigen Erklärungen, wie man in früheren Tagen Tunnels gebaut hatte (auch unter dem River), waren im Untergeschoss eine Vielzahl von alten U-Bahnen ausgestellt. Da es gestern Nachmittag freien Eintritt im South Street Seaport Museum gegeben hätte, war dies unser nächstes Ziel. Jedoch war der Weg dorthin sehr, sehr holprig. Eigentlich wollten wir mit der nächstbesten Subway zum Battery Park und dann mit dem Bus weiter zum Seeport, da die Bushaltetelle am nächsten war, jedoch liefen wir am Battery Park wie 2 Irre durch die Gegend da wir nirgends die Bushaltestelle für den M 9 finden konnten. Als wir den Aufpasser in der U-Bahn Station fragten bekamen wir nur zur Antwort: “I’m only for subway”. “thats bad”. Da wir durch das Umherlaufen von oben bis unten nass waren, haben wir die Aktion “Seaport” wegen akuter Sinnlosigkeit abgebrochen und sind zurück zum Quartier gefahren. Nach einer ausgiebigen Trocken-Pause machten wir uns auf ins East Village, um dort einerseits das Abendessen zu erledigen und andererseits mal das dort angelegte Vergnügungsviertel zu untersuchen. Gegessen haben wir dann bei Lanza’s, einem ganz passablen Italiener, bei dem wir uns auch mal einen Cheesecake gönnten. Am Rückweg kamen wir dann bei einem ukrainischem Restaurant vorbei, das z.B. “Wiener Schnitzel” serviert, selbiges aber mit einem “fried egg” garniert. Auch ein CD-Geschäft ist uns begegnet; der Kaufrausch wurde aber aufgrund meiner Faulheit noch verschoben. Amüsant war auch der Blick auf das hiesige Partyvolk, das geschmückt und behängt wie die Pfingstochsen dahinstöckelt (und sogar die allgegenwärtigen Lüftungsgitter in den Gehsteigen gekonnt beherrscht).
Stand clear of the closing doors, please!
Reisebericht, Tag 5
Regen, Regen, nichts als Regen. So präsentierte sich NY heute von seiner nassen Seite. Also starteten wir dem Museum of Modern Art, kurz MoMa, einen Besuch ab.
Irgendwo habe ich mal eine Studie gelesen, dass die Amerikaner zu den eifrigsten Konsumenten von allen möglichen Medikamenten gehören (oder sogar die eifrigsten sind?). Seit gestern kann ich mir auch vorstellen, warum das wohl so sein könnte: Das ganze Museum war auf eine sehr gemütliche Temperatur von schätzungsweise 14° gekühlt, was vor allem den unangemessen gekleideten Touristen (= u.a. mir) zu schaffen machte, da es nur mit Jeans + T-Shirt bekleidet doch einigermassen frisch war. Man spart sich hier aber sowieso die Sauna-Gänge: Aus dem Haus raus: warm; in die Subway-Station: heiß, Schweißausbruch; in die Subway: Klimaanlage, Frösteln (bin gespannt ob die Wiener Linien ihre neuen Züge auch auf Kühlschrank-Niveau hinunterbringen); aus der Subway: heiß, siehe oben; aus der Station raus: Regen, nass, ält, wäh; in das Museum: kalt, kälter, MoMA.
Das MoMA an sich war auch für uns zwei als eher nicht so kunstinteressierte Zeitgenossen sehr interessant, auch wenn wir seitdem eine Karriere als Konzeptkünstler anstreben: Es gibt nichts, zu dem man nicht Kunst sagen könnte. IMHO gehts nur darum, zu einem möglichst banalen Gegenstand/einer möglichst banalen Tätigkeit/nedamoi des eine möglichst hochgestochene und unverständliche Erklärung zu finden, die von Kritikern dann noch viel unverständlicher umschrieben wird - dann hat man auf einmal ein Kunstwerk (man erinnere sich an die Simpsons-Folge, in der Homer einen Grill bauen will und auch zum Künstler wird). Highlight war ein Raum, in dem eine Zeitschaltuhr das Licht alle 5 Sekunden ein- und wieder ausschaltete oder das ohnehin weitbekannte komplett blaue Bild, dessen Name mir aber schon wieder entfallen ist (ich Banause).
Obligatorisch war natürlich auch der Besuch im MoMA-Shop, der zwar durch viele nett designte Artikel beeindruckt, finanziell aber zu größeren Unpässlichkeiten führen würde und daher schnell wieder verlassen wurde.
Danach gings an der Radio City Music Hall vorbei noch weiter zum Rockefeller Center, das natürlich ausgiebig fotografiert wurde. Nach einer Pause bei einer der zahlreichen Starbucks-Filialen spazierten wir dann die 5th Avenue hinunter, während die Dämmerung hereinbrach und uns so einige Fotos vom beleuchteten Chrysler- und Empire State Building erlaubte. Anschließend ging es zurück über die Grand Central Station nach Hause. Da hatten wir beide 2 getrennte Erlebnisse: Während Wolfgang in einem Geschäft ein Sandwich erstand und nichts außer chinesisch verstand, was an den chinesischen Verkäufern lag, beobachtete ich 2 Herren mit Chaffeur die sich in ihrem alkoholisierten Zustand sehr eigenartig benommen haben und der Chaffeur, der nur dazu grinste.
Mein Einkauf im Asiaten-Deli: “Hi” “Hi, aldfjslsaldskfjhasdflkawrlkb” “I want a Sandwich, please” “Akjhsldkfhsfskjhsdfklhjsdkfjekrjhsdkfjhser” “Tuna, please, with a tomato” “adlkfhsldkfskljhsekljher”
Was uns noch so aufgefallen ist:
Irgendwann muss jemand einmal über eine Rolltreppe gefallen sein und die MTA in Grund und Boden geklagt haben: Bei jedem Escalator (es eskaliert hier!) gibt es Hinweisschilder und großteils auch Lautsprecher, die einen dazu anhalten, sich festzuhalten, nicht zu laufen und sich auch sonst brav und anständig zu benehmen. Im Gegensatz dazu sind die Abgänge von der Straße in die Subway-Stationen aber bei Regen unglaublich glitschig und rutschig - was aber nichtmal ein “Slippery when wet”-Schild wert ist.
Soviel uniformiertes Personal (und besonders soviel Polizei) hab ich bis jetzt nur beim Bundesheer gesehen. Dort wo bei uns ein Schild steht oder ein Absperrband gesperrt wird stehen hier ein bis drei (meist schwarze) hilfreiche Geister in Uniform, die einen mehr oder weniger vehement entweder wegschicken oder in die richtige Richtung umleiten.
Klimatisierte U-Bahnen gibt es hier seit den 50ern. Shame on you, Wiener Linien!
Die in Österreich irgendwie angebrachte Scheu vor Geschäften mit Neon-Reklame im Fenster sollte man am besten zu Hause lassen, sonst verhungert man bald. Anscheinend sind diese Dinger hier ein Zeichen von Wohlstand oder besonderer Geschmacklosigkeit des Besitzers (was sich dann auch oft in der Inneneinrichtung äußert), auf jeden Fall sind sie allgegenwärtig.
In diesem Sinne, “stay alert and have a save day”.
Reisebericht, Tag 4
(kursiv: Fr. Amtsdirektor in spe darf ich nicht mehr schreiben, Fr. Dr. Prieler am Werk)
Als wir wach wurden zeigte uns ein Blick aus dem Fenster, dass Himmel grau über grau war. Es war somit ein Museumsbesuch fällig. Wir entschieden uns für das Museum of Natural History, Nähe Centralpark West.
Während der U-Bahn fahrt zum Museum lernten wir zum ersten Mal den Unterschied zwischen einem “Express Train” und einem “Local Train” kennen. Wir stiegen natürlich in einen Express Train der zu unserem Leid nicht beim Museum stehen blieb sondern insg. 55 Streets in einem durchfuhr. Interessant war auch die Feststellung, als einzige Vertreter der weissen Minderheit im Waggon zu sitzen. Schließlich blieb die Bahn bei der 125st. stehen und wir fuhren mit einem LOCAL Train zurück. Trotz dieser Schwierigkeiten kamen wir dann doch im Museum an, wo wir uns gleich die Space Show ansahen. Eine Show über den Big Bang und über unser Universum. Danach gingen wir durch die einzelnen Räume wie: Dinosaurier, Ozean, Amerikan Indians, Meteoriten, ……… Verblüfft hat uns auch in diesem Museum der riesige Food-Corner, man alles bekam was das Herz begehrte (Mittagessen, Sweets und sogar Obst). Wir verbrachten den ganzen Tag im Museum, bis 5:45 pm, und sind dann weiter zum Grand Central Terminal gefahren. Wolfgang wollte unbedingt Steak essen gehen. Sind dann weiter Richtung Union Square/14th Street gegangen auf der Suche nach dem Steak-Hause Gotham Grill. Nach langem Suchen und 2x in den Reiseführer schauen sind wir draufgekommen, dass sich das Lokal in der 12th Street befindet, wo wir es schließlich auch gefunden haben. Jedoch entsprach es nicht unserer Preisklasse: ein T-Bone Steak 40$ ohne Taxen (shame on you, Baedeker - “Erschwinglich” ist das nicht!). Sind die Straße weiter entlang und fanden ein angeblich laut ausgehängter Speisekarte ein gutes-preisleistungsverhältnis Restaurant namens Knickerbocker. Hier durften wir dann eine weitere Feinheit der amerikanischen Gastronomiewelt kennenlernen: Die feine Differenzierung zwischen dem “dinner menu” und allem anderen was man sonst so auf der Scheibe anschlägt. Beim Reingehen wurde die Frage mit “dinner or bar?” natürlich mit einem selbstsicheren “dinner” beantwortet (ansaufen wollten wir uns ja schließlich nicht), woraufhin wir zu einem verdächtig aufwendig dekoriertem Tisch geführt wurden. Auch die Frage, welches Wasser denn gewünscht wäre, wurde wiederum falsch beantwortet (”sparkling” -> Flasche um $6.00) - gekrönt wurde die Sache dann von der gereichten Speisekarte. Das war nämlich die teure mit den “guten” Sachen (so kleine Häppchen wie Hummer udgl.), die vorher evaluierte und für gut befundene Karte glänzte durch Abwesenheit. Leicht verwirrt und im Geiste auf Euro umrechnend (Steak immerhin nur $35.00) wurde bei der Kellnerin nachgefragt, die uns dann darauf hinwies, dass wir wohl im “lounge menu”, also in der Karte für die Bar, geschaut hätten, wir sollen uns davon aber nicht stören lassen und doch bitte schnell bestellen. Nach weiteren Überlegungen (Spaghetti bolognese um $28.50 wurden als Ausweichmöglichkeit ebenfalls ausgeschlossen) deponierten wir bei der Kellnerin den Wunsch, die gastliche Stätte zwar hungrig, dafür aber umso schneller und mit intaktem Budget zu verlassen. Die war von diesem unfreundlichem Ansinnen so verwirrt, dass sie mit dem Restaurant-Manager angewatschelt kam, der uns dann gnadenhalber erlaubte, uns in den Lounge-Bereich (= zur leistbaren Speisekarte) umzusetzen. Das Essen selbst war nicht übel, die Kellnerin hatte ständig einen leicht süffisanten Grinser aufgesetzt, der Manager beäugte uns kritisch, und wir waren um einige Erfahrungen reicher.
Nachdem wir diese Stätte unserer Blamage verlassen hatten, machten wir uns zurück auf den Weg zum Union Square. Im Vorbeigehen konnten wir bei einem Club noch die Vorbereitungen für die Nacht beobachten, nach dem vergeblichen Warten auf die Berühmtheiten (…) gingen wir dann doch weiter und verbrachten einige Zeit mit dem Schmökern bei Barnes & Noble.
Reisebericht, Tag 3
(kursiv: Fr. Amtsdirektor in spe Prieler am Werk)
Als erste Attraktion an diesem Tag genehmigten wir uns ein amerikanisches Frühstück. Ich lernte daraus, dass Pancakes nicht süß sind, schmeckten leicht salzig so wie dazugehörige Butter. Ahornsirup ist nicht so schlecht wie angenommen. Ich habe auch gelernt warum die Amerikaner so viel Ahornsirup benötigen: um die Pancakes süß zu bekommen.
Nach dem Frühstück begaben wir uns zur USS Intrepid, einem ausgedienten Flugzeugträger, der als Museum im Hafen liegt. Die Ausstellung am früheren Hangardeck war recht interessant, hatte aber einen sehr patriotischen Einschlag: So wurden z.B. die Freuden und Vorzüge des Drills bei der Marine-Basisausbildung auf einigen Quadratmetern Ausstellungsfläche gefeiert. Auch die Kamikaze-Angriffe, die das Schiff im zweiten Weltkrieg aushalten musste, wurden ausgiebig behandelt und mitsamt den Gegenoffensiven der Amerikaner erläutert - die Japaner, die neben uns gestanden sind, haben sich angeregt darüber unterhalten. Gerade für mich als jemand mit Hang zu großen Spielzeug war das Flugdeck aber doch interessanter: Ich sage nur F-14, F-16, SR-71,…
Neben dem Flugzeugträger liegt noch die USS Growler, ein Diesel-U-Boot aus den 50er Jahren. Leider wurde die Führung aber von einer sehr (SEHR) unmotivierten und dauernd McFlurry-fressenden Tussi erledigt, die anscheinend einen geheimen Schnellsprech-Wettbewerb gewinnen wollte und die Sache zu einer Strafe für die Besucher machte. Die Führung dauerte insgesamt wohl knappe 15 Minuten, wobei geschätzte 13 Minuten Gehzeit waren. Alles in allem ein etwas unbefriedigendes Erlebnis…
Für den Schluss hatten wir uns den Besuch der Concorde aufgehoben: Eine ehemalige BA-Concorde wurde auf einem Kahn quasi “aufgebahrt” und kann leider nur zu einem sehr kleinen Teil besichtigt werden. Zu begehen war nur die vordere Hälfte der Kabine, das Cockpit ließ sich nur von weit weg erahnen. Nichts desto trotz war der Besuch im USS Intrepid sehr, sehr aufregend und interessant. Sehr überrascht waren wir als wir mitbekommen haben, dass zum Gelände ein MC-Donalds gehört (wo gibt es so was in Österreich).
Nach dem Besuch ging es zurück zur 42nd Street mit Zwischenstopp in einem Deli. Dazu sei angemerkt, dass man bei uns daheim in solche Märkte keinen Fuss als Österreicher setzen würde. Einen Deli kann man bei uns am besten mit dem ärgsten Türkenladen vergleichen und noch drei mal so schlimm, obwohl der dort gekaufte Muffin relativ gut war. Ein Deli hat alles zu bieten: Trinken, Essen und, und, und zu einem erschwinglichen Preis
Da uns die Füsse schmerzten beschlossen wir, noch mal zu der Spitze von Manhatten zu fahren und uns den Sonnenuntergang über New Jersey, Staten Island und der Freiheitsstatue anzusehen. Wir gingen durch den ganzen Baterry Park und machten es uns anschließend am Pier A gemütlich. Achja Wolfgang hat eine sehr große Anziehungskraft auf andere Leute: Er ist in den letzten Tagen immer wieder angesprochen worden, um von jemanden anderen ein Foto zu machen. So auch bei unserem Spaziergang im Park von einer jungen, hübschen Bulgarin.
Während des Spazierganges stießen wir auf die Tunnelbehörde von NYC, die genauso aussieht wie im Film von Man in Black. Mussten natürlich davon ein Foto machen. Weiters sahen wir uns das provisorische 9/11-Memorial an, bestehend aus einer Skulptur, die am Platz zwischen den beiden Türmen stand und aus den Trümmern geborgen wurde.
Nach dem atemberaubenden Sonnenuntergang knurrten unsere Mägen und wir beschlossen zur Grand Central Station zu fahren. Dort gibt es einen großen Food Corner namens Dinner Concourse. Die Station ist ja wirklich sehr prächtig mit ihren Lustern und riesig. Obwohl es schon spät war liefen Menschen über Menschen in der Station umher. Jedoch hat uns nichts angesehen und so haben wir uns wieder mal auf den Weg nach Hause begeben um in unserem Viertel etwas zu essen. Den ganzen Tag über war es sonnig, hin und wieder etwas sehr windig und kühl.
Reisebericht, Tag 2
Um uns einmal mit genügend Prospekten, Karten und sonstigen Blödsinn einzudecken wollten wir als erste Amtshandlung eine der hiesigen Tourist Information plündern. Nach einigem Herumirren auf der Suche nach jener, die sich angeblich wo beim Central Park befinden sollte, testeten wir die gemeinsamen Englischkenntnisse an einem der zahlreichen herumstehenden Polizisten. Der war zuerst schwer verwundern, warum man so eine Lokalität überhaupt aufsuchen will, gab sich aber schließlich als unwissender Brooklyner zu erkennen (”you know, I’m not from here either, I’m just covering today”) und schickte uns zu der Info am Times Square.
Das “Times Square Info Center” befindet sich in einem finsteren Raum mit Hinterzimmer-Charakter und wird von den unzähligen Neonreklamen der dortigen Info-Schalter eher schlecht als recht erleuchtet. Die gewünschten Infos waren dort aber nicht zu kriegen, da der Hauptzweck dieser Einrichtung im Verkauf von Rundfahrten und Broadway-Tickets zu bestehen scheint. Irgendwo war dann das eigentlich gesuchte Visitor Information Center erwähnt, dort wurden wir dann schlußendlich fündig und konnten einige Kilo an toten Bäumen heimwärts tragen.
Um das schöne Wetter zu nutzen gings dann mit der Subway nach Bowling Green und weiter zur Staten Island Ferry. Auf den Weg dorthin sahen wir uns noch Clinton Castle an und bewunderten die Aussicht vom Pier. Nach der Überfahrt (windig!) machten wir noch eine kleine Rundfahrt durch Staten Island (mit Bahn und Bus) und schipperten anschließend wieder zurück.
Der Weg durch Downtown Manhattan war gestern etwas dornig, da wir genau zur rush hour zurecht kamen und uns so durch eine durchaus belebte Broad Street quälen und an der Wall Street vorbeispazieren konnten. Außerdem machte sich das Datum bemerkbar (9/11): Die offiziellen Feierlichkeiten waren zwar schon lange vorbei, der Menschenauflauf aber umso größer. Zu sehen gibt es ja prinzipiell nicht viel, außer eine momentan mit viele Fahnen verzierte und relativ große Baustelle.
Nach einem Spaziergang durch das World Financial Center wollten wir uns eigentlich dort in der Gegend etwas zu essen suchen, wurden aber nicht fündig und beschlossen nach einiger Zeit des erfolglosen Suchens, uns in Richtung Quartier zu bewegen.
Beim Essen selbst gewannen wir auf Neue einige wichtige Erkenntnisse: Wer nach einem großen “mineral water” verlangt, bekommt eine ganze Flasche vom feinsten italienischen Mineralwasser und erfreut sich an stolzen $7.00 auf der Rechnung. Die amerikanische Kochkunst ist sehr gehaltvoll, die Portion Club Sandwich kommt sicher auf ihre 4000 Kalorien. Und wenn man die Frage “Can I get you anything else?” verneint liegt binnen einer Minute die Rechnung auf dem Tisch.
Beim Essen fiel uns ein, dass jedes Jahr am 11. September zwei Lichtsäulen als Symbol für die Twin Towers leuchten - Grund genug, nochmal nach Staten Island zu fahren und dabei einerseits die Skyline bei Nacht und andererseits die beiden Licht-Säulen zu bestaunen. Und wohin man auf dieser Welt nur geht, die Deutschen sind schon da und verleiden einem das ganzen Vergnügen: Bei den (glorreich gescheiterten) Versuche, den Anblick mit der Kamera festzuhalten, fällt immer wieder ungut auf, der mit vollem Körpereinsatz bei der Sache ist und sich rücksichtslos durch die Menge rempelt. Irgendwann ruft dieser Jemand zu seiner restlichen verkommenen Brut nach hinten “Ach Schatz, kuch mal, das ist ja beleuchtet!” - und entlarvt sich einerseits mit der Piefke-Aussprache und andererseits mit der völlig sinnfreien Feststellung, die wohl keinem anderen Volk dieser Erde als mit 120db verkündenswert erschienen wäre.
Die verkehrsgünstige Lage unseres Zimmer entpuppt sich wie üblich als zweischneidiges Schwert: Der Geräuschpegel wird durch die Queensboro Bridge und die 2nd Ave auf einem konstant hohen Niveau gehalten. Auch die New Yorker Fahrgewohnheiten tun ihr Übriges dazu: Das schon erwähnte Hupen wird auch eingesetzt, um bei einem geplanten Fahrbahnwechsel oder Abbiegevorgang die Umstehenden (inkl. Anrainer) von diesem Vorhaben zu informieren.
Reisebericht, Tag 1 (10. Sept 2006)
Erkenntnisse aus dem heutigen Tag: