Reisebericht, Tag 5
Regen, Regen, nichts als Regen. So präsentierte sich NY heute von seiner nassen Seite. Also starteten wir dem Museum of Modern Art, kurz MoMa, einen Besuch ab.
Irgendwo habe ich mal eine Studie gelesen, dass die Amerikaner zu den eifrigsten Konsumenten von allen möglichen Medikamenten gehören (oder sogar die eifrigsten sind?). Seit gestern kann ich mir auch vorstellen, warum das wohl so sein könnte: Das ganze Museum war auf eine sehr gemütliche Temperatur von schätzungsweise 14° gekühlt, was vor allem den unangemessen gekleideten Touristen (= u.a. mir) zu schaffen machte, da es nur mit Jeans + T-Shirt bekleidet doch einigermassen frisch war. Man spart sich hier aber sowieso die Sauna-Gänge: Aus dem Haus raus: warm; in die Subway-Station: heiß, Schweißausbruch; in die Subway: Klimaanlage, Frösteln (bin gespannt ob die Wiener Linien ihre neuen Züge auch auf Kühlschrank-Niveau hinunterbringen); aus der Subway: heiß, siehe oben; aus der Station raus: Regen, nass, ält, wäh; in das Museum: kalt, kälter, MoMA.
Das MoMA an sich war auch für uns zwei als eher nicht so kunstinteressierte Zeitgenossen sehr interessant, auch wenn wir seitdem eine Karriere als Konzeptkünstler anstreben: Es gibt nichts, zu dem man nicht Kunst sagen könnte. IMHO gehts nur darum, zu einem möglichst banalen Gegenstand/einer möglichst banalen Tätigkeit/nedamoi des eine möglichst hochgestochene und unverständliche Erklärung zu finden, die von Kritikern dann noch viel unverständlicher umschrieben wird - dann hat man auf einmal ein Kunstwerk (man erinnere sich an die Simpsons-Folge, in der Homer einen Grill bauen will und auch zum Künstler wird). Highlight war ein Raum, in dem eine Zeitschaltuhr das Licht alle 5 Sekunden ein- und wieder ausschaltete oder das ohnehin weitbekannte komplett blaue Bild, dessen Name mir aber schon wieder entfallen ist (ich Banause).
Obligatorisch war natürlich auch der Besuch im MoMA-Shop, der zwar durch viele nett designte Artikel beeindruckt, finanziell aber zu größeren Unpässlichkeiten führen würde und daher schnell wieder verlassen wurde.
Danach gings an der Radio City Music Hall vorbei noch weiter zum Rockefeller Center, das natürlich ausgiebig fotografiert wurde. Nach einer Pause bei einer der zahlreichen Starbucks-Filialen spazierten wir dann die 5th Avenue hinunter, während die Dämmerung hereinbrach und uns so einige Fotos vom beleuchteten Chrysler- und Empire State Building erlaubte. Anschließend ging es zurück über die Grand Central Station nach Hause. Da hatten wir beide 2 getrennte Erlebnisse: Während Wolfgang in einem Geschäft ein Sandwich erstand und nichts außer chinesisch verstand, was an den chinesischen Verkäufern lag, beobachtete ich 2 Herren mit Chaffeur die sich in ihrem alkoholisierten Zustand sehr eigenartig benommen haben und der Chaffeur, der nur dazu grinste.
Mein Einkauf im Asiaten-Deli: “Hi” “Hi, aldfjslsaldskfjhasdflkawrlkb” “I want a Sandwich, please” “Akjhsldkfhsfskjhsdfklhjsdkfjekrjhsdkfjhser” “Tuna, please, with a tomato” “adlkfhsldkfskljhsekljher”
Was uns noch so aufgefallen ist:
Irgendwann muss jemand einmal über eine Rolltreppe gefallen sein und die MTA in Grund und Boden geklagt haben: Bei jedem Escalator (es eskaliert hier!) gibt es Hinweisschilder und großteils auch Lautsprecher, die einen dazu anhalten, sich festzuhalten, nicht zu laufen und sich auch sonst brav und anständig zu benehmen. Im Gegensatz dazu sind die Abgänge von der Straße in die Subway-Stationen aber bei Regen unglaublich glitschig und rutschig - was aber nichtmal ein “Slippery when wet”-Schild wert ist.
Soviel uniformiertes Personal (und besonders soviel Polizei) hab ich bis jetzt nur beim Bundesheer gesehen. Dort wo bei uns ein Schild steht oder ein Absperrband gesperrt wird stehen hier ein bis drei (meist schwarze) hilfreiche Geister in Uniform, die einen mehr oder weniger vehement entweder wegschicken oder in die richtige Richtung umleiten.
Klimatisierte U-Bahnen gibt es hier seit den 50ern. Shame on you, Wiener Linien!
Die in Österreich irgendwie angebrachte Scheu vor Geschäften mit Neon-Reklame im Fenster sollte man am besten zu Hause lassen, sonst verhungert man bald. Anscheinend sind diese Dinger hier ein Zeichen von Wohlstand oder besonderer Geschmacklosigkeit des Besitzers (was sich dann auch oft in der Inneneinrichtung äußert), auf jeden Fall sind sie allgegenwärtig.
In diesem Sinne, “stay alert and have a save day”.