Reisebericht, Tag 12
Heute war es soweit! Nach einem beschleunigten Frühstück und einem zur allgemeinen Verwundern erwischten Bus schafften wir es, rechtzeitig am Circle Line-Pier zu sein und unsere zweistündige Rundfahrt zu absolvieren.
Zuerst ging’s den Hudson hinunter bis zur Freiheitsstatue und nach einer Drehung um die eigene Achse, damit auch der letzte ein Foto ergattern konnte, den East River hinauf, unter den südlichen drei Brücken durch hinauf bis zur südlichen Spitze von Roosevelt Island. Dort wurde gewendet, und wir schipperten wieder um halb Manhattan herum zurück zum Ausgangspunkt. Vom Wasser aus gelangen uns noch einige hoffentlich gelungene Schnappschüsse auf die verschiedenen Brücken und Attraktionen, trotz der (für einen Soziopathen wie mich) widrigen Umstände am Boot, da das Gedränge und Geschiebe um die beste Foto-Position doch einigermaßen nervig war (und hatte man diese dann erreicht, stand sicher irgendein Idiot bereit, um einen seiner offensichtlich ausser Kontrolle geratenen Körperteile ins Bild zu halten).
Das frühe Frühstück (!) forderte aber seinen Tribut: Nach der Rundfahrt knurrte uns der Magen - ein völlig ungewohntes Gefühl zur Mittagszeit. Nach kurzer Suche entschieden wir uns, beim “Dallas BBQ” einzukehren, wo wir erstaunlich gut und günstig zu Mittag aßen. Faszinierend an amerikanischen Gaststätten ist immer noch, dass es offensichtlich nur eine Toilette für Gäste und Angestellte gibt - und dass die Angestellten immer mit Schildern in der Art von “Employees must wash hands” ermahnt werden müssen. Wenn nur die Employees müssen, warum tu ichs dann?
Nach dem Essen machten wir uns wiedermal Richtung Ground Zero auf, wo wir das am 18. September eröffnete “TributeWTC Visitor Center” besuchten. Die nicht wirklich umfangreiche Ausstellung (vier Räume, bei großzügiger Zählung) war gut aufgemacht, wenn auch doch etwas kurz. Da sich die Lokalität schnell füllte und das Schneuzen und Schluchzen der Angehörigen auf Dauer doch aufs Gemüt drückt, waren wir relativ schnell wieder fertig.
Um den Rest des Tages zu nützen, machten wir uns zu Skyscraper Museum am Battery Plaza auf. Auch dort gab’s hauptsächlich - oh Wunder - die Twin Towers zu sehen, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel: Hier wurde die Geschichte, die Planung, der Bau und die Verwendung erläutert, was einen guten Kontrast zur eher tränendrüsenlastigen sonstigen Darstellung bot. Negativ waren wiedermal ein paar unserer lieben Nachbarn (ich fühle mich verfolgt!), die durch lautes Dauerplappern negativ auffielen uns abermals erhellten: Tussi A “Das muss doch voll krass sein, sowas hohes zu bauen” Tussi B “Ja, und wie die das gemacht haben, so große Kräne gibbet wohl gar nich” A: “Da haben se wohl einen Kran immer weiter mit rauf gebaut” B: “Und wie hamse den dann runter gekriecht, hä?”. (Nach einem etwas lauteren “Wurscht wo ma hinfahrt, irgenda deppada Piefke muss immer die Gosch offen haben” sind sie dann verschwunden, und schreiben jetzt wahrscheinlich über die unfreundlichen Österreicher, die man überall trifft) Leider blieb der heutige Tag aber ohne weitere Begegnungen mit dem werten Hrn. Präsidenten, mal schaun ob wir uns nochmal sehen. Anzumerken ist, dass sich der werte Herr heute am Boot im Gesicht einen Sonnenbrand geholt hat.
Take care!
uns gings ähnlich, überall wo wir hinfuhren, waren ‘deppade’ amis, die sich für den mittelpunkt der welt und somit die einzigen wesen mit intelligenz hielten.
touristen, schon ein graus ;)
manu
22 Sep 06 at 9:14 am