USA 2008 - Tag 12, Washington
Den Vormittag haben wir heute damit verbracht, unsere Koffer fertig zu packen und den Mietwagen zurückzugeben. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, noch nie ein derartig beschissenes Fahrzeug wie diesen Chevrolet HHR gefahren zu haben. Die lt. Wikipedia ca. 150PS wurden von der Automatik erfolgreich auf das Niveau von 40PS gedrosselt, was zu einer eher binären Fahrweise geführt hat: Leider hat sich die Automatik standhaft zu schalten geweigert, solange das Gaspedal nicht die Bodenplatte berührt hat, somit waren die hier etwas kurz geratenen Beschleunigungsstreifen auf der Autobahn ohne dieses Manöver kaum zu bewältigen. Die atemberaubende Chevrolet-Verarbeitung haben wir ja letztes Jahr schon erlebt; dieses Jahr hatte ich Angst, dass die von meinem Knie eingedrückte Türverkleidung der Fahrertüre irgendwann nicht mehr in die Ursprungsposition zurückkehren würde… Dennoch haben wir knappe 1035 Meilen geschafft, was knappen 1666km entspricht.
Das Auto haben wir beim Ronald Reagan Airport retourniert und uns dann den Luxus eines Taxis zum Hotel geleistet, was in weiterer Folge zum Luxus eines Kofferträgers zum Zimmer geführt hat (so schnell kann man gar nicht aussteigen, um den hilfreich herbeieilenden Herren daran zu hindern, die Koffer auf seinen Wagen zu laden und in Verwahrung zu nehmen). Der Taxifahrer hat sich über meine Frage, ob es hier heute besonders heiss sei, köstlich amüsiert und gemeint, eigentlich wäre es eher kühl. Waren ja nur knappe 32°, morgen sollens 36° werden. Den nächsten Spaß hatte dann der Rezeptionist, der mich mit “I’m sorry Wuuuulfgääng, I can’t find your reservation” erschrecken wollte, vor lauter Freude über seinen Witz aber gleich ein “just kidding” rausrutschen ließ.
Wir haben uns dann in den erstbesten Bus Richtung Bahnhof gesetzt, um unsere Tickets nach New York abzuholen und ein Visitor Center zu suchen, um die üblichen Stadtpläne einzusacken und uns wegen einer Wochenkarte für den Bus schlau zu machen. Leider hat es nicht soweit gereicht, um dem Hauptbahnhof eine Tourist Information zu spendieren, auch die Dame aus dem Information-Hüttchen bei der U-Bahn war hilfreich wie eine Rolle Klopapier: Meine Frage, wo ich denn eine Tageskarte für den Bus kriegen könnte, wurde mit einem “Go upstairs” beantwortet. Auch auf wiederholtes Nachfragen, ob sie das nicht ein wenig präzisieren könne, war nicht mehr aus ihr rauszukriegen - sogar die Wiener Linien sind da hilfreicher..
Solcherart “gut” eingestimmt sind wir dann in Richtung Kapitol spaziert und haben uns den Supreme Court und die Library of Congress angesehen. Besonders die Library of Congress war innen sehr interessant; eines der Austellungsstücke war eine Gutenberg-Bibel, die in den 30ern von einem österreichischen Kloster angekauft worden war. Besonders hingewiesen wurde darauf, dass es sich nicht um das “erste gedruckte Buch” handelt, sondern um das “erste in Westeuropa mit beweglichen Metall-Lettern gedruckte Buch”. Beim Supreme Court merkte man dafür sogar den Damen im Gift Shop ihr Beamtentum an, keine Berufsgruppe sonst wirkt derartig angewidert, wenn sie etwas zu tun kriegt…
Danach wollten wir zum Visitor Center in der Pennsylvania Avenue gehen, kamen dort aber ziemlich genau 10 Minuten, nachdem es zugesperrt hat, an. Dennoch trafen wir dort den ersten hilfreichen Menschen, der zumindest einmal freundlich auf Fragen geantwortet hat, nämlich den Sicherheitsmann, der unsere Ausweise kontrollieren wollte. Etwas klüger geworden fuhren wir zurück zum Hotel, um vor dem Abendessen zu duschen - hab ich schon angemerkt, dass es neben den viel zu vielen Grad auch viel zu viele Prozent Luftfeuchtigkeit hat? Nach dem Essen kauften wir uns noch etwas zu trinken und bestaunten eine riesige Ansammlung von Polizei-Motorrädern, dezent-unauffälligen SUVs mit vielen Antennen am Dach, Herren im schwarzen Anzug mit Knopf im Ohr und Herren im schwarzen Overall mit Gewehr im Anschlag. Wer genau da bewachte wurde haben wir nicht mitbekommen, von den Umstehenden hat’s keiner gewusst - aber Hauptsache alle stehen und schauen. Ist doch auch eine interessante Abendbeschäftigung…