USA 2008 - Tag 13, Washington
Heute haben wir es als erste Aktion gleich mal zum Visitor Center geschafft und uns mit Stadtplänen und sonstigen Materialien eingedeckt. Leider hatte der Taxifahrer recht behalten, heute waren sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit höher, sodass wir danach eigentlich schon wieder reif für eine Dusche gewesen wären.
Für den Vormittag hatten wir uns aber im Internet Tickets für das Washington Monument bestellt (in diesem Obelisk gibt es oben eine Aussichtsterrasse, die (Gratis-) Tickets bekommt man indem man sich entweder frühmorgens darum anstellt oder sie um $1.50/Stück online vorbestellt). So haben wir uns um 10:30 mit unzähligen kleinen Kindern um die Schiessscharten-ähnlichen Fenster gerauft, um den Ausblick vom höchsten Gebäude der Stadt zu genießen. Dabei wunderten wir uns über die vielen Zelte auf der National Mall: Alljährlich findet hier das Smithsonian Folklife Festival statt, im Rahmen dessen dieses Jahr die NASA anläßlich ihres 50-Jahr-Jubiläums ihre Aktivitäten präsentiert.
Über zwei Stunden haben wir damit verbracht, uns mit verschiedenen NASA-Ingenieuren über das Space Shuttle, seinen Nachfolger und die ISS zu unterhalten. So konnte man verschiedene Shuttle-Bauteile (Hitzeschild-Kacheln, Flügelteile,…) befummeln, in die Triebwerke reinschaun und sich von einem der Triebwerk-Tester die Funktionsweise erklären lassen (in der Gegend von New Orleans steht die Anlage, in der diese Shuttle-Triebwerke vor ihren Einsätzen getestet werden; bei diesen Tests kann man auch zusehen, und außerdem “everybody has to go to New Orleans once in his life”), und mit dem Projektleiter für das Landesystem des Shuttle-Nachfolgers quatschen (das Space Shuttle fliegt bis 2010, der auf den Namen “Orion” lautende Nachfolger soll ab 2014 fliegen - die vier Jahre Pause entstehen, weil erst nach dem Ende der Shuttle-Lebensdauer Budget frei wird, um den Nachfolger fertigzustellen). Eine der Stand-Damen haben wir nachhaltig verwirrt: Sie hat uns auf Deutsch sprechen gehört, sich vielmals entschuldigt, uns leider nichts auf Deutsch erklären zu können, und uns stattdessen über ihr Auslandssemester in Lettland und den dortigen Deutsch-Unterricht erzählt. Nur wie man freiwillig während der EM aus Österreich wegfahren kann, obwohl man doch hier nirgends die Spiele ansehen kann, war ihr nicht klar - und nach meiner Aussage, dass das eigentlich volle Absicht ist, hat sich das auch nicht geändert.
Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich das eigentliche Ziel, das National Air and Space Museum. Dort verbrachten wir den restlichen Nachmittag und wurden um halb sechs umso schlimmer von der herrschenden Hitze überrascht. Zum Trost holten wir uns bei Starbucks einen Eiskaffee und marschierten in Richtung Lincoln Memorial. Am Weg dorthin passierten wir auch das “National World War II Memorial”, das erst 2004 fertiggestellt worden ist (übrigens von einem Österreicher geplant) - ganz schön groß, mit einem Springbrunnen in der Mitte, der trotz unzähliger Verbotsschilder eifrig zum Füße reinhängen genutzt wird. Vom Lincoln Memorial aus hat man einen schönen Blick auf das Washington Monument und das Capitol, also wollten wir das erstbeste Paar, das uns entgegenkam, bitten, doch ein Foto von uns zu machen. Soweit kam es aber nicht: Kaum hatte mich der schon etwas ältere Herr mich gesehen, hat er mir die Hand entgegengestreckt, laut zu lachen begonnen und sich vor lauter “Oh my gosh, nice to meet you” gar nicht beruhigen können. Nach einer knappen Minute, in der ich wirklich Angst hatte, er würde mir gleich um den Hals fallen, ist ihm mein doch etwas verwirrter Gesichtsausdruck aufgefallen: Er hat mich mit einem Herren von der Nationalgarde verwechselt, mit dem er gemeinsam gedient hat, und der mir angeblich sehr ähnlich sieht (was seine Frau auch bestätigt hat - Doppelgänger, wo bist du?). Als Air Force-Pilot war er drei Jahre lang in Bayern stationiert, so kamen wir wieder einmal in den Genuss der üblichen Schwärmereien über Österreich im Allgemeinen und Salzburg im speziellen, weil das ja wirklich eindeutig die schönste Stadt in ganz Deutschland und Österreich sei. Zu denken gibt mir jetzt halt nur, ob ich denn wirklich schon so alt wirke…
Nach dem Abstecher zur eigentlichen Lincoln-Statue im Memorial, die mit ihren knappen 6m Länge doch etwas groß geraten ist, spazierten wir entlang des Vietnam War-Memorial zum Weissen Haus. Großer Unterschied zum WW2-Memorial: Hier sind die beim anderen Memorial laut herumschreienden Schulklassen ganz still und spazieren mit gesenktem Blick vorbei. Aus sicherer Entfernung kann man dort ein wenig durch die Gitterstäbe gucken, am Gehsteig sorgt ein Polizist für Ordnung; die Japaner, die ihr Stativ aufbauen wollten, hat er gleich wieder verjagt (und als sie dann noch durch das Blumenbeet gegangen sind, da war er glaub ich kurz davor, den Taser zu zücken). Danach war es schon fast halb neun, daher machten wir uns auf den Weg zum Bus, um zurück ins Hotel zu fahren.