Archive for the ‘washington’ tag
Sachen, die ich als Hotelier nicht machen sollte
- Klimaanlagen kaufen, die wie startende Hubschrauber klingen und sich nicht abstellen lassen
- Beträge von Kreditkarten einziehen, die nicht auf der Rechnung stehen
- Keine E-Mail-Adresse auf meiner Homepage anbieten, sondern nur eine Telefonnummer und ein Kontaktformular (das nicht funktioniert)
- Gästen eine Zufriedenheits-Umfrage hinterhermailen und die Leute dann mit falschem Namen ansprechen (”Dear KIERON GRADY”)
USA 2008 - Tag 16, Washington, New York
Am Sonntag Vormittag sind wir zur letzten Etappe unserer Reise aufgebrochen: Autos und Flugzeuge hatten wir ja schon zur Genüge verwendet, also haben wir uns für diesen Teil zu einer Fahrt mit dem Zug entschlossen.
Wir hatten ein “reserved coach”-Ticket, was soviel wie “es gibt vermutlich irgendwo einen Platz für dich im Zug… vielleicht” bedeutet. Von Washington bis Baltimore haben wir keine nebeneinander liegenden Plätze ergattert; ich durfte neben einer älteren Dame sitzen, die mir eine gute Stunde lang von ihrer lange zurückliegenden Reise durch das winterliche Österreich vorgeschwärmt hat (”so many skiers… lovely” - naja). Ungefähr fünfzehnmal hat sie mich darauf aufmerksam gemacht, ja nicht im Juni oder Juli nach Washington zu fahren, weil es zu dieser Zeit viel zu heiß sei; Frühjahr oder noch besser Herbst seien eindeutig vorzuziehen. Meine Einwände, dass ich eigentlich gerade aus Washington komme, mir dies aber gerne für das nächste Mal merken werde, wurden wohlwollend zur Kenntnis genommen - um mich dann kurz darauf erneut darauf hinzuweisen.
Nach knappen drei Stunden im gewohnt gut gekühlten Zug erreichten wir New York, wo wir von einem warmen Sommerregen begrüßt wurden. Unser Plan war, mit dem Taxi zum Hotel zu fahren (drei Koffer durch die U-Bahn zu manövrieren ist langweilig) - dummerweise sind die New Yorker und auch die anderen aus diversen Zügen ausgestiegenen Menschlein ein ausgesprochen wasserscheues und überraschend flinkes Volk und waren um einiges schneller als wir an den Taxen. So haben wir uns eine gute Viertelstunde im Trockenen versteckt und auf das Ende des Regens gewartet, um uns gemütlich und trocken in Taxi zu angeln. Schlussendlich gelang uns das auch, und so erreichten wir etwas später als geplant unser Hotel, das Millenium Broadway, wo wir ein Zimmer im 49. Stock (von 52 vorhandenen) bezogen und eine recht nette Aussicht genießen konnten:
Dort haben wir einmal unsere Koffer abgeladen und uns anschließend Richtung Süden aufgemacht, um ein wenig einzukaufen. Leider hat uns der Regen den Spaß aber gründlich verdorben, und so sind wir zurück Richtung Norden gefahren, um der gnä Frau ihr Einkaufsvergnügen unter Dach zu ermöglichen. Von der Südspitze des Central Parks sind wir dann zu Fuß zurück zum Hotel spaziert, haben am Weg ein paar Burger verdrückt und dann noch ein wenig die Gegend um den Times Square erkundet.
Den Abend haben wir im Kino verbracht und uns WALL•E angesehen. Witzig war nicht nur der Film, sondern auch das Kino an sich: Freie Platzwahl macht die Sache doch gleich spannender. Außerdem scheint es Usus zu sein, bei besonders lustigen Szenen fröhlich drauflos zu applaudieren - fragt sich nur, für wen?
USA 2008 - Tag 15, Washington
- Versucht, Karten für die Führungen durch das Capitol zu bekommen - zu spät dran gewesen
- White House Visitor Center besucht, insgesamt sehr enttäuschend (ins White House selbst kommt man ohne durch seinen Congressman vereinbarten Termin nicht)
- auf den Old Post Office Tower gefahren: ein Glockenturm, der einmal das höchste Gebäude der Stadt war und im Vergleich zum Washington Monument etwas weniger voll ist
- am Navy Memorial vorbeispaziert
- International Spy Museum besucht
USA 2008 - Tag 14, Washington
Nur der Vollständigkeit halber, das Programm vom Freitag:
- National Cemetery in Arlington: unglaublich viele Gräber, unglaublich viele Leute bei den Kennedy-Gräbern (immerhin führt sogar die Touristenbus-Linie durch), unglaublich viele Leute bei der Wachablöse am Grab des unbekannten Soldaten (13:00 == schlechte Zeit zum In-der-Sonne-stehen-und-Soldaten-beobachten)
- Zum NASM gefahren und den gestern abgesperrten Rest angesehen
- Nochmal zur Library of Congress marschiert und den Giftshop besucht
- Zum Abschluss noch die National Archives besucht, in denen man die unterzeichneten Originale der Unabhängigkeitserklärung/Verfassung/Bill of Rights ansehen kann
Tageshöchsttemperatur waren lt. Weather Channel schwache 95°F beim 92% Luftfeuchtigkeit, also harmlose 35°C.
USA 2008 - Tag 13, Washington
Heute haben wir es als erste Aktion gleich mal zum Visitor Center geschafft und uns mit Stadtplänen und sonstigen Materialien eingedeckt. Leider hatte der Taxifahrer recht behalten, heute waren sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit höher, sodass wir danach eigentlich schon wieder reif für eine Dusche gewesen wären.
Für den Vormittag hatten wir uns aber im Internet Tickets für das Washington Monument bestellt (in diesem Obelisk gibt es oben eine Aussichtsterrasse, die (Gratis-) Tickets bekommt man indem man sich entweder frühmorgens darum anstellt oder sie um $1.50/Stück online vorbestellt). So haben wir uns um 10:30 mit unzähligen kleinen Kindern um die Schiessscharten-ähnlichen Fenster gerauft, um den Ausblick vom höchsten Gebäude der Stadt zu genießen. Dabei wunderten wir uns über die vielen Zelte auf der National Mall: Alljährlich findet hier das Smithsonian Folklife Festival statt, im Rahmen dessen dieses Jahr die NASA anläßlich ihres 50-Jahr-Jubiläums ihre Aktivitäten präsentiert.
Über zwei Stunden haben wir damit verbracht, uns mit verschiedenen NASA-Ingenieuren über das Space Shuttle, seinen Nachfolger und die ISS zu unterhalten. So konnte man verschiedene Shuttle-Bauteile (Hitzeschild-Kacheln, Flügelteile,…) befummeln, in die Triebwerke reinschaun und sich von einem der Triebwerk-Tester die Funktionsweise erklären lassen (in der Gegend von New Orleans steht die Anlage, in der diese Shuttle-Triebwerke vor ihren Einsätzen getestet werden; bei diesen Tests kann man auch zusehen, und außerdem “everybody has to go to New Orleans once in his life”), und mit dem Projektleiter für das Landesystem des Shuttle-Nachfolgers quatschen (das Space Shuttle fliegt bis 2010, der auf den Namen “Orion” lautende Nachfolger soll ab 2014 fliegen - die vier Jahre Pause entstehen, weil erst nach dem Ende der Shuttle-Lebensdauer Budget frei wird, um den Nachfolger fertigzustellen). Eine der Stand-Damen haben wir nachhaltig verwirrt: Sie hat uns auf Deutsch sprechen gehört, sich vielmals entschuldigt, uns leider nichts auf Deutsch erklären zu können, und uns stattdessen über ihr Auslandssemester in Lettland und den dortigen Deutsch-Unterricht erzählt. Nur wie man freiwillig während der EM aus Österreich wegfahren kann, obwohl man doch hier nirgends die Spiele ansehen kann, war ihr nicht klar - und nach meiner Aussage, dass das eigentlich volle Absicht ist, hat sich das auch nicht geändert.
Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich das eigentliche Ziel, das National Air and Space Museum. Dort verbrachten wir den restlichen Nachmittag und wurden um halb sechs umso schlimmer von der herrschenden Hitze überrascht. Zum Trost holten wir uns bei Starbucks einen Eiskaffee und marschierten in Richtung Lincoln Memorial. Am Weg dorthin passierten wir auch das “National World War II Memorial”, das erst 2004 fertiggestellt worden ist (übrigens von einem Österreicher geplant) - ganz schön groß, mit einem Springbrunnen in der Mitte, der trotz unzähliger Verbotsschilder eifrig zum Füße reinhängen genutzt wird. Vom Lincoln Memorial aus hat man einen schönen Blick auf das Washington Monument und das Capitol, also wollten wir das erstbeste Paar, das uns entgegenkam, bitten, doch ein Foto von uns zu machen. Soweit kam es aber nicht: Kaum hatte mich der schon etwas ältere Herr mich gesehen, hat er mir die Hand entgegengestreckt, laut zu lachen begonnen und sich vor lauter “Oh my gosh, nice to meet you” gar nicht beruhigen können. Nach einer knappen Minute, in der ich wirklich Angst hatte, er würde mir gleich um den Hals fallen, ist ihm mein doch etwas verwirrter Gesichtsausdruck aufgefallen: Er hat mich mit einem Herren von der Nationalgarde verwechselt, mit dem er gemeinsam gedient hat, und der mir angeblich sehr ähnlich sieht (was seine Frau auch bestätigt hat - Doppelgänger, wo bist du?). Als Air Force-Pilot war er drei Jahre lang in Bayern stationiert, so kamen wir wieder einmal in den Genuss der üblichen Schwärmereien über Österreich im Allgemeinen und Salzburg im speziellen, weil das ja wirklich eindeutig die schönste Stadt in ganz Deutschland und Österreich sei. Zu denken gibt mir jetzt halt nur, ob ich denn wirklich schon so alt wirke…
Nach dem Abstecher zur eigentlichen Lincoln-Statue im Memorial, die mit ihren knappen 6m Länge doch etwas groß geraten ist, spazierten wir entlang des Vietnam War-Memorial zum Weissen Haus. Großer Unterschied zum WW2-Memorial: Hier sind die beim anderen Memorial laut herumschreienden Schulklassen ganz still und spazieren mit gesenktem Blick vorbei. Aus sicherer Entfernung kann man dort ein wenig durch die Gitterstäbe gucken, am Gehsteig sorgt ein Polizist für Ordnung; die Japaner, die ihr Stativ aufbauen wollten, hat er gleich wieder verjagt (und als sie dann noch durch das Blumenbeet gegangen sind, da war er glaub ich kurz davor, den Taser zu zücken). Danach war es schon fast halb neun, daher machten wir uns auf den Weg zum Bus, um zurück ins Hotel zu fahren.
USA 2008 - Tag 12, Washington
Den Vormittag haben wir heute damit verbracht, unsere Koffer fertig zu packen und den Mietwagen zurückzugeben. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, noch nie ein derartig beschissenes Fahrzeug wie diesen Chevrolet HHR gefahren zu haben. Die lt. Wikipedia ca. 150PS wurden von der Automatik erfolgreich auf das Niveau von 40PS gedrosselt, was zu einer eher binären Fahrweise geführt hat: Leider hat sich die Automatik standhaft zu schalten geweigert, solange das Gaspedal nicht die Bodenplatte berührt hat, somit waren die hier etwas kurz geratenen Beschleunigungsstreifen auf der Autobahn ohne dieses Manöver kaum zu bewältigen. Die atemberaubende Chevrolet-Verarbeitung haben wir ja letztes Jahr schon erlebt; dieses Jahr hatte ich Angst, dass die von meinem Knie eingedrückte Türverkleidung der Fahrertüre irgendwann nicht mehr in die Ursprungsposition zurückkehren würde… Dennoch haben wir knappe 1035 Meilen geschafft, was knappen 1666km entspricht.
Das Auto haben wir beim Ronald Reagan Airport retourniert und uns dann den Luxus eines Taxis zum Hotel geleistet, was in weiterer Folge zum Luxus eines Kofferträgers zum Zimmer geführt hat (so schnell kann man gar nicht aussteigen, um den hilfreich herbeieilenden Herren daran zu hindern, die Koffer auf seinen Wagen zu laden und in Verwahrung zu nehmen). Der Taxifahrer hat sich über meine Frage, ob es hier heute besonders heiss sei, köstlich amüsiert und gemeint, eigentlich wäre es eher kühl. Waren ja nur knappe 32°, morgen sollens 36° werden. Den nächsten Spaß hatte dann der Rezeptionist, der mich mit “I’m sorry Wuuuulfgääng, I can’t find your reservation” erschrecken wollte, vor lauter Freude über seinen Witz aber gleich ein “just kidding” rausrutschen ließ.
Wir haben uns dann in den erstbesten Bus Richtung Bahnhof gesetzt, um unsere Tickets nach New York abzuholen und ein Visitor Center zu suchen, um die üblichen Stadtpläne einzusacken und uns wegen einer Wochenkarte für den Bus schlau zu machen. Leider hat es nicht soweit gereicht, um dem Hauptbahnhof eine Tourist Information zu spendieren, auch die Dame aus dem Information-Hüttchen bei der U-Bahn war hilfreich wie eine Rolle Klopapier: Meine Frage, wo ich denn eine Tageskarte für den Bus kriegen könnte, wurde mit einem “Go upstairs” beantwortet. Auch auf wiederholtes Nachfragen, ob sie das nicht ein wenig präzisieren könne, war nicht mehr aus ihr rauszukriegen - sogar die Wiener Linien sind da hilfreicher..
Solcherart “gut” eingestimmt sind wir dann in Richtung Kapitol spaziert und haben uns den Supreme Court und die Library of Congress angesehen. Besonders die Library of Congress war innen sehr interessant; eines der Austellungsstücke war eine Gutenberg-Bibel, die in den 30ern von einem österreichischen Kloster angekauft worden war. Besonders hingewiesen wurde darauf, dass es sich nicht um das “erste gedruckte Buch” handelt, sondern um das “erste in Westeuropa mit beweglichen Metall-Lettern gedruckte Buch”. Beim Supreme Court merkte man dafür sogar den Damen im Gift Shop ihr Beamtentum an, keine Berufsgruppe sonst wirkt derartig angewidert, wenn sie etwas zu tun kriegt…
Danach wollten wir zum Visitor Center in der Pennsylvania Avenue gehen, kamen dort aber ziemlich genau 10 Minuten, nachdem es zugesperrt hat, an. Dennoch trafen wir dort den ersten hilfreichen Menschen, der zumindest einmal freundlich auf Fragen geantwortet hat, nämlich den Sicherheitsmann, der unsere Ausweise kontrollieren wollte. Etwas klüger geworden fuhren wir zurück zum Hotel, um vor dem Abendessen zu duschen - hab ich schon angemerkt, dass es neben den viel zu vielen Grad auch viel zu viele Prozent Luftfeuchtigkeit hat? Nach dem Essen kauften wir uns noch etwas zu trinken und bestaunten eine riesige Ansammlung von Polizei-Motorrädern, dezent-unauffälligen SUVs mit vielen Antennen am Dach, Herren im schwarzen Anzug mit Knopf im Ohr und Herren im schwarzen Overall mit Gewehr im Anschlag. Wer genau da bewachte wurde haben wir nicht mitbekommen, von den Umstehenden hat’s keiner gewusst - aber Hauptsache alle stehen und schauen. Ist doch auch eine interessante Abendbeschäftigung…